Defekte Geräte einfach
zusammen reparieren.
Manager und Macher des RepairCafé Wolfsburg im Gespräch.

Jan Engelken
Erfolgserlebnisse für alle.
Die Lampe streikt, der Staubsauger gibt kein Lebenszeichen mehr, die alte Stereoanlage bleibt stumm? Bevor ein defektes Gerät im Elektroschrott landet, lohnt sich ein Besuch im Repaircafé Wolfsburg in der Markthalle.
Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer suchen dort gemeinsam mit den Besitzerinnen und Besitzern nach dem Fehler – kostenlos, nach dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe statt Reparaturservice. Organisiert wird das Angebot von der Stadt Wolfsburg über das Schiller 40; Besucherinnen und Besucher sind beim Reparieren dabei und können, wenn sie möchten, auch selbst mit anpacken.
Wir haben mit Christian Cordes, Mitbegründer und Koordinator des Repaircafés bei der Stadt Wolfsburg, sowie den ehrenamtlichen Reparaturprofis Michael Schulz und Jens Abraham gesprochen.
Herr Cordes, was ist überhaupt ein Fall fürs Repaircafé?
Christian Cordes: Als Faustregel sagen wir: Geräte, die man tragen kann. Gemeint sind damit vor allem Elektro-Kleingeräte. Wir hatten schon Heckenscheren, Pumpen oder auch ein E-Bike mit einem Problem am Akku. Eine Waschmaschine oder ein Kühlschrank sind dagegen eher nichts für uns. Deshalb klären wir vorher per Mail, um welches Gerät und welchen Defekt es geht. Wenn beispielsweise das Gehäuse eines Spielzeugs komplett zerstört ist, können wir leider nicht mehr helfen.
„Nicht immer ist ein Defekt ein Totalschaden. Lieber erstmal checken lassen – entsorgen kann man es später immer noch.“
Und was erwartet die Besucherinnen und Besucher vor Ort?
Jens Abraham: Wir schauen uns das Gerät gemeinsam an und gehen auf Fehlersuche. Die Besitzerinnen und Besitzer können uns dabei über die Schulter schauen oder unter Anleitung auch selbst Hand anlegen. Genau dieser Austausch gehört für uns zum Repaircafé dazu.
Allgemeines Werkzeug steht vor Ort zur Verfügung, zusätzlich bringen viele aus dem Team eigene Messgeräte und Spezialwerkzeuge mit. Jeder hat andere Schwerpunkte – und wenn einer nicht weiterkommt, schaut eben jemand anderes mit drauf.
„Der wirklich tolle Effekt des Repaircafés ist der Austausch – bei uns im Freiwilligen-Team genauso wie mit den Besucherinnen und Besuchern.“
Welche Geräte sind echte Repaircafé-Klassiker?
Michael Schulz: Lampen kommen sehr häufig. Da ist vielleicht ein Kabel lose, eine Fassung oder ein Schalter defekt. Auch bei Staubsaugern ist es erstaunlich oft nur der viel beanspruchte Stecker. Dazu kommen klassische Kaffeemaschinen und saisonal Weihnachtsbeleuchtung oder im Frühjahr Gartengeräte.
Gerade bei älteren Geräten sind Reparaturen häufig dankbar, weil sie noch verschraubt und gut zugänglich sind. Manchmal reichen ein neues Kabel, ein Stecker oder ein kleines Ersatzteil – und nach einer halben Stunde funktioniert das Gerät wieder.
Gibt es auch Geräte, bei denen es schwierig wird?
Jens Abraham: Natürlich. Kaffeevollautomaten zum Beispiel sind häufig sehr aufwendig zu zerlegen. Bis man überhaupt an die Technik kommt, können die zwei Stunden des Repaircafés schon fast vorbei sein. Oder: Bei manchen Kunststoffgehäusen besteht die Gefahr, dass beim Öffnen etwas abbricht. So etwas besprechen wir natürlich vorher.
Und nicht jeder Fehler lässt sich beim ersten Termin finden. Manchmal muss zunächst recherchiert oder ein Ersatzteil besorgt werden. Dann kann es beim nächsten Repaircafé weitergehen.
Was kostet eine Reparatur?
Die Arbeit der Ehrenamtlichen ist kostenlos. Das Gleiche gilt üblicherweise für kleine Verbrauchsmaterialien oder vorhandene Standardteile, die wir für die Reparatur nutzen. Ist jedoch ein spezielles Ersatzteil nötig, müssen die Besitzerinnen und Besitzer es selbst beschaffen. Oft können wir dabei helfen, das passende Teil zu finden.
Wer möchte, kann das Repaircafé außerdem mit einer freiwilligen Spende unterstützen. Davon werden unter anderem Verbrauchsmaterialien angeschafft.
Woher kommt eigentlich so viel Reparaturwissen?
Michael Schulz: Ich habe Elektroniker für Automatisierungstechnik gelernt, anschließend Elektrotechnik studiert und arbeite heute in der Programmierung. Repariert habe ich aber schon als Jugendlicher: Fernseher, Monitore, Laptops, Flipper – eigentlich alles, was kaputtging. Irgendwann habe ich das Repaircafé kennengelernt und bin dann selbst zum Team gestoßen.
Jens Abraham: Bei mir ist es ähnlich. Ich bin ebenfalls Elektrotechniker und war schon immer neugierig darauf, wie technische Geräte aufgebaut sind. Mich stört es, wenn hochwertige Geräte wegen eines kleinen Fehlers weggeworfen werden. Gerade ältere Technik ist häufig sehr solide gebaut – und manches davon bekommt man heute in dieser Qualität gar nicht mehr. Das zu erhalten, ist für mich ein wichtiger Antrieb.



An welche Reparaturen erinnert ihr euch besonders gern?
Michael Schulz: Einmal kam jemand mit einer einfachen Uhr, die vielleicht 15 oder 20 Euro wert war. Eine Batterie war ausgelaufen und hatte eine Leiterbahn beschädigt. Wir haben die Verbindung wiederhergestellt – und die Uhr lief wieder. Oder ein alter Weihnachtsbogen, den die Besitzer seit Jahrzehnten hatten. Wenn so etwas wieder leuchtet und die Menschen sich drüber freuen, ist der materielle Wert plötzlich völlig nebensächlich.
Jens Abraham: Mein Steckenpferd sind alte Hi-Fi-Geräte. Bei einigen besonders schönen Stücken mussten wir uns über mehrere Termine an den Fehler herantasten. Das hat sich aber gelohnt, am Ende liefen die Geräte mit vergleichsweise geringem Aufwand wieder. Gerade bei solchen Dingen merkt man, wie sehr man emotional an einem Gerät hängen kann.
Und wer selbst gerne tüftelt, kann mitmachen?
Unbedingt. Wir sind zurzeit acht Leute im Team, aber natürlich ist nicht immer jeder im Repaircafé dabei. Auch und gerade für Jüngere gilt: kommt gerne vorbei. Hier könnt ihr nicht nur eure Kenntnisse weitergeben, sondern auch jede Menge lernen – Knowhow, das heute immer seltener wird. Dafür braucht man auch kein Studium. Wer handwerkliches Geschick, technisches Interesse und Lust hat, gemeinsam mit anderen Lösungen zu finden, ist willkommen und wird natürlich auch eingearbeitet.
Das Repaircafé Wolfsburg.
Das Repaircafé findet grundsätzlich am zweiten Donnerstag im Monat ab 17 Uhr in der Markthalle Wolfsburg statt. Wer ein defektes Gerät mitbringen möchte, sollte vorher unbedingt per E-Mail an repaircafe.wolfsburg@gmx.de Kontakt aufnehmen und kurz beschreiben, worum es geht, damit das Team vorab einschätzen kann, ob das Gerät geeignet ist.
Kurz gefragt:
Das Repaircafé Wolfsburg.
Fotos © Christian Cordes