Luftbild der Steimker Gärten

#mittendrin Integrale Campusentwicklung

16.02.2026

Vom Quartier Steimker Gärten bis zur Campusentwicklung: Unser Weg zur integralen Planung.

Nach rund zehn Jahren kommt der dänische Architekt Kristian Villardsen zurück nach Wolfsburg zu Besuch. Gemeinsam mit Phillip Schmitz erkundet er die Steimker Gärten,
ein Quartiersprojekt, an dessen Außenraumplanung er zu dem Zeitpunkt als Director beim international renommierten Stadtplanungsbüro Gehl Architekten aus Kopenhagen mitgewirkt hat.

Beim gemeinsamen Rundgang analysieren die beiden Planer das Erreichte und machen im Gespräch erlebbar, was für sie eine „integrale Planung“ ausmacht.

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Zehn Jahre nach dem Baubeginn wird sichtbar, was aus einer gemeinsamen Vision entstanden ist: ein lebendiges, urbanes Quartier, in dem auch an einem kalten Januartag Menschen unterwegs sind, sich begegnen und den öffentlichen Raum nutzen.

Am Rande des filmischen Rundgangs haben wir die beiden zu den Entwicklungen in den Steimker Gärten, aber auch zu Campusprojekten der VWI interviewt:

Was versteht ihr unter „Integraler Planung“ – und warum ist dieser Ansatz für VWI und die Stadt Wolfsburg relevant?

Phillip: Für uns bedeutet „integral“, dass Freiraum, Gebäude, Nutzung, Digitalisierung, Energie, Mobilität und Betrieb ganzheitlich gedacht werden. In den Steimker Gärten zeigt sich das unter anderem an der Mischung der Wohntypologien und Gewerbenutzungen, den kurzen Wegen, den verschiedenen Mobilitätsangeboten, den zukunftsfähigen Energienetzen, den PV-Lösungen und der Ladeinfrastruktur sowie dem Blue-Building-Standard als verbindlichem Qualitätsrahmen. So wird die Attraktivität des Standorts Wolfsburg gesteigert und es entstehen reale Mehrwerte für die Bewohner:innen – ökologisch, sozial und ökonomisch.

 

Kristian: Integrale Entwicklung heißt auch: vom Alltag der Menschen auszugehen. Wir verknüpfen öffentliche Räume, Nutzungsvielfalt, Gesundheit und nachhaltige Mobilität so, dass intuitiv nachhaltiges Verhalten entsteht – das ist Kern dieses Masterplans.

Welche konkreten Stadtbau- und Architekturprinzipien prägen die Steimker Gärten als „integrales Quartier“?

Kristian: Man erlebt eine starke Verzahnung mit dem Naturraum sowie einen klaren Gestaltungsrahmen vielfältiger Gebäude, die mit dem öffentlichen Raum interagieren. Aus Gestalter-Perspektive setzen wir auf den städtischen Raum als Bühne des Alltags: klare Wegebeziehungen, großzügige Erdgeschosszonen und Orte, die Aufenthalt und Begegnung fördern. Das macht Quartiere resilient und lebendig. Hier ist ein gemischtes Urbanes Gebiet mit Aufenthaltsqualitäten und starkem Grünbezug entstanden.

 

Phillip: Die Leitplanken sind Funktionsmischung, menschlicher Maßstab, Energieeffizienz und multimodale Mobilität: ca. 22 ha mit differenzierten Außenräumen, vielfältigen Wohnungstypen, PV- und Mieterstromkonzepten und Ladepunkten sowie Quartiersplätzen und Angeboten für alle Altersgruppen als soziale Anker. Gleichzeitig sind die Steimker Gärten Lebensraum für viele Arten. Die DGNB-Gold-Prequalifizierung bestätigt, dass die Planung in allen Dimensionen aufgeht und nachhaltige Nachbarschaften fördert.

 

Kristian: Die „letzten 500 Meter“ entscheiden, ob sich Menschen zu Fuß oder mit dem Rad bewegen. Sicherer, schöner, kürzer – das sind die drei Kriterien. Hier ist das fast eine 5-Minute-City mit allen Alltagsfunktionen rund um den Quartiersplatz.

„Integrale Planung verbindet Umwelt, Architektur, Energie, Mobilität und Betrieb. Sie öffnet Raum für zukünftige Veränderungen.“

Phillip Schmitz leitet das Strategische Objektmanagement und ist verantwortlich für das Innovationsmanagement bei VWI. Er verantwortet die lebenszyklusorientierte Digitalisierungsstrategie für den Betrieb der Gewerbeimmobilien. In seiner vorherigen Funktion hat er mit Fokus auf Nachhaltigkeit, Mobilität und Energie als Leiter Technik das Wohnungsneubauprogramm der VWI und die Quartiersentwicklung Steimker Gärten in Wolfsburg gesteuert.

Wie bindet ihr die Nutzer:innen ein – von der Außenraumgestaltung bis hin zur Quartierskultur?

Kristian: Meine Erfahrung auch bei Gehl Architects zeigt: Integrale Designprozesse schaffen Ownership – und erhöhen die Resilienz der Projekte. Das beginnt bei Workshops und reicht bis zu temporären Interventionen im öffentlichen Raum.

Der Prozess im Quartier selbst startet mit der Frage: „What kind of life do you want to invite?“
Bereits in der Konzeptphase haben die Planerteams die Programmierung der Außenräume und die aus der Nutzung abgeleitete Gestaltung aus der Perspektive zukünftiger Bewohner und Nutzergruppen erarbeitet.

Das Ergebnis der offenen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit des interdisziplinären VWI-Teams mit dem Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs, dem Büro Brederlau & Holik, dem Masterplanmanagement von Stahm Architekten, der Freiraumplanung von Ramboll Studio Dreiseitl und der Fokussierung auf Gestaltung im menschlichen Maßstab bei Gehl Architects ist heute spürbar. Besonders spannend wird es in den Workshopformaten mit den neuen Nachbarn im Quartier, wenn es um das direkte Mitgestalten geht.

 

Phillip: Die von uns ausgelobten Wettbewerbe basierten auf Marktstudien und regelmäßigen Mieterbefragungen, aus denen die Anforderungen und der Typologiemix der Wohnungen abgeleitet wurden.

Für die neuen Bewohner des Stadtteils gab es Impulse für die Begegnung in der Nachbarschaft, wie das Sommerfest, den Laternenumzug oder den aufgestellten Tannenbaum zu Weihnachten auf dem Quartiersplatz. Darüber hinaus waren wir mit unserem VWI-Büro am Quartiersplatz präsent und standen im offenen Austausch.

Zusätzlich fanden Workshops mit Kindern aus dem Quartier zur Gestaltung der Spielplätze statt. Der Wasserspielplatz „Steimker Pirateninsel“ wurde 2025 eröffnet und wird sehr gut angenommen. Der Kletterspielplatz wurde unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus den Workshops geplant und wird derzeit errichtet. Die Platzgestaltung eines der Quartiersplätze wurde in Anwohnerworkshops erarbeitet.

Diese Co-Design-Formate, unser Quartierskalender und digitale Tools wie unsere VWI-Mieter-App helfen uns, Bedürfnisse frühzeitig zu erkennen und die Zufriedenheit zu steigern. So wächst die Nachbarschaft Stück für Stück zusammen, aber dafür braucht man einen langen Atem.

Steimker Gärten erleben

Wie messt ihr nachhaltige Qualität und „Attraktivität“

Phillip: Die DGNB-Gold-Auszeichnung für die Steimker Gärten als Gesamtquartier ist ein wichtiger Meilenstein und ein objektiver Qualitätsnachweis. Neben den messbaren Kriterien ist es uns vor allem wichtig, dass die Angebote angenommen werden und im Alltag ankommen.

Das ist für alle Altersgruppen wichtig. So hat sich neben der Seniorenresidenz und der städtischen Kita auch ein privates Kinderbetreuungsangebot etabliert.

Darüber hinaus sehen wir das auch an den entstandenen Gewerbeflächen: Es gibt ein Bäckerei-Café, ein Pizza-Restaurant, einen Gemüsehändler, einen Nahversorger, Wellness- und Yoga-Angebote, einen Beauty-Salon, einen Lifestyle- und Mode-Shop, ein Sanitärgeschäft und ein EMS-Fitnessstudio.

Für die Begegnung und die Entwicklung von Nachbarschaften ist es wichtig, dass Menschen Räume gerne nutzen. Wenn Plätze gefüllt, Wege belebt und Erdgeschosse aktiv genutzt werden, ist die Transformation angekommen.

 

Kristian: Zertifikate sind Startpunkte. Die Menschen stimmen jedoch mit den Füßen ab und das erleben wir vor Ort. Nachhaltiges Verhalten entsteht durch die Verstärkung positiver Erfahrungen, die wir im Alltag in Bezug auf unser Konsumverhalten, unseren Umgang miteinander, unsere Mobilität, unsere Arbeit und unser Leben in unseren Gemeinschaften machen. Zudem müssen wir weiterhin dazu angeregt werden, unseren persönlichen CO₂-Fußabdruck zu verringern.

„Gute Planung lädt zu nachhaltigem Verhalten ein – sie verordnet es nicht.“

Kristian Skovbakke Villadsen ist Stadtplaner und war langjähriger Partner bei Gehl Architects in Kopenhagen und ist ein international anerkannter Experte für Urban Design und Mobilitätsstrategien. Er berät Städte und Unternehmen weltweit zu lebenswerten Quartieren, nachhaltiger Mobilität und Public-Realm-Design. Sein Ansatz: Planung sollte vom Menschen und Alltag her gedacht werden – für resiliente, gesunde und zukunftsfähige Stadträume.

Was lässt sich vom integralen Quartier für einen integralen Campus – wie beispielsweise den der Volkswagen Financial Services AG in Braunschweig – lernen und umgekehrt?

Kristian: Nachhaltige Mobilität, Nutzungsvielfalt und Aufenthaltsqualitäten sind transferierbar. Eine Funktionsmischung, kurze Wege sowie Gebäude, die eine gute Interaktion mit starken öffentlichen Räumen ermöglichen, wirken sich gleichermaßen positiv auf die soziale Interaktion und Kommunikation im Quartier und auf dem Campus aus – nur mit anderen Taktungen und Stakeholdern.

Phillip: Aus meiner Sicht sind das im Wesentlichen zwei Dinge:

Erstens: „Vielfalt schafft Mehrwert“
Wir erreichen in Projekten mehr, wenn wir alle Stakeholder möglichst früh als Partner auf Augenhöhe einbinden, Ressourcen bündeln und mit Fokus auf den gesamten Lebenszyklus und die Nutzungsphase neben etablierten Qualitäten gemeinsam Neues wagen und Innovationen ermöglichen.

Zweitens: „Räume stiften Identität“
In der laufenden Transformation dürfen wir unseren Konzernkolleg:innen immer häufiger mit New Workplaces den Rahmen für starke Kollaborationen und eine effektive Flächenbelegung bereitstellen. Zuletzt ist uns das mit einem tollen Projekt im IT-City-Campus in Wolfsburg gelungen. Nach den Corona-Jahren mit dem starken Schub für Digitalisierung und virtuelle Zusammenarbeit ist das eine Einladung zurück ins Büro. Dazu gehört auch das direkte Umfeld.

Kristian: Im Quartier wie am Campus sind die kommunikativen Außenräume die Visitenkarte für Nachbarn, Kollegen und Gäste. Volkswagen Financial Services hat im Rahmen des Kulturwandels mit neuen Arbeitswelten für das Headquarter ein spannendes Campusprojekt umgesetzt als Herzstück des Unternehmens ausgehend von intensiven Stakeholder-Interviews. Wir durften bei der Umsetzung der Vision des Campusmanagement-Teams um Sabine Burkert unterstützen, das inzwischen Teil der Volkswagen Immobilien GmbH ist. Mit der Öffnung zur Stadt Braunschweig wurden u.a. 5 Kilometer Zäune rückgebaut, Erdgeschosszonen zur neu gestalteten Magistrale geöffnet, Grünanlagen, ein Ort für Honigbienen, Gastronomieangebote, Sportflächen, eine Fußgängerquerung und ein Welcome Center geschaffen – ein klares Statement für eine offene Unternehmenskultur.

Was ist euer „North Star“, eure Zielrichtung, für die nächsten drei bis fünf Jahre in den Campus- und Quartiersentwicklungen?

Phillip:  Der Volkswagenkonzern setzt auch im Immobilienbereich starke Impulse bei der Transformation. Neben dem FS-AG-Campus in Braunschweig, dem IT-City-Campus und dem Forum Autovision in Wolfsburg sowie unserem neuen Škoda-Headquarter in Mladá Boleslav wird derzeit die Planung für den neuen Campus „The Valley“ für Everllence im Großraum Kopenhagen umgesetzt.

Für unser Portfolio an attraktiven Wohn- und Arbeitswelten arbeiten wir intensiv an einer datengestützten Optimierung, der Dekarbonisierung im Betrieb, der Skalierung von E-Mobilitäts-Services und der Weiterentwicklung der Aufenthaltsqualitäten.

 

Kristian: Lebensqualität als Leitgröße: mehr Alltag zu Fuß, mehr Grün und Gesundheit, weniger CO₂ pro Person – durch eine ganzheitliche Planung, die ein bestimmtes Verhalten positiv „anstupst“. Eine hohe Außenraumqualität sowie Fußgänger- und Fahrradfreundlichkeit fördern Bewegung und Begegnung sowie Gesundheit und soziales Miteinander.

Vielen Dank für das Gespräch.

Pressemeldung

DGNB-Gold-Auszeichnung für die Steimker Gärten: Ein Stadtquartier mit Gütesiegel für Nachhaltigkeit

Volkswagen Immobilien. Mit Erfahrung für den Konzern.

Volkswagen Immobilien realisiert weltweit moderne Gewerbeimmobilien für den Volkswagen Konzern – von der Idee bis zur Übergabe. Als erfahrener Partner im Projekt- und Facility Management sowie im Miet- und Assetmanagement setzen wir vielseitige Bauvorhaben um, darunter Händlerbetriebe, Logistikflächen und innovative Spezialimmobilien.